Cost-Plus ist nur eine Variante. Cost-Based Pricing ist der Oberbegriff für eine ganze Familie kostengetriebener Methoden — und der stille Default in vielen Industrien, oft ohne bewusste Entscheidung.
Worum es geht
Cost-Based Pricing ist der Sammelbegriff für Pricing-Methoden, deren Ausgangspunkt die eigene Kostenstruktur ist. Dazu gehören Cost-Plus, Markup-Pricing, Break-Even-Pricing und Target-Return-Pricing. Gemeinsamer Nenner: Der Markt liefert keinen direkten Input für die Preisbildung — die interne Kalkulation ist der primäre Treiber.
Wie es in der Praxis funktioniert
- Industriegüter mit langen Produktlebenszyklen: Stabile Kostenkalkulation als Preisbasis über mehrere Jahre.
- Öffentliche Beschaffung: Cost-Plus mit definiertem Aufschlag ist in Vergaberichtlinien verankert.
- Handwerk und Dienstleistung: Stundensätze entstehen aus Personal-, Material- und Gemeinkosten plus Zielmarge.
Was Kunden gewinnen
- Stabile, planbare Preise mit klarer kostenseitiger Logik.
- Transparenz über Preistreiber und Preisentwicklung.
- Faire Korridore in regulierten oder vertraulich verhandelten Geschäften.
Was Anbieter gewinnen
- Margensicherheit bei korrekter Kostenrechnung.
- Einfachheit und Skalierbarkeit der Preisbildung.
- Klare Argumentationsbasis in Verhandlungen.
Wo Vorsicht geboten ist
- Marktblindheit: Wertwahrnehmung und Wettbewerb fließen nicht ein.
- Kostenrechnungsrisiko: Falsch zugeordnete Gemeinkosten verschleiern Margen.
- Innovationsbremse: Neue Produkte werden zu Plan-Selbstkosten kalkuliert, statt am Markterlös ausgerichtet.
Wann passt die Methode?
Cost-Based Pricing eignet sich als Boden für regulierte Märkte, langfristige Lieferverträge und Long-Tail-Sortimente mit geringer Wertvariation. Wer im Wettbewerbsmarkt rein cost-based unterwegs ist, lässt strukturell Marge liegen — zumindest die obere Grenze sollte aus Wettbewerb oder Wertwahrnehmung kommen.
Andreas Stauber
Founder & Geschäftsführer Resilient Value GmbH
